Frühmorgens in Nad Al Sheba

Frühmorgens an der Kamelrennbahn in Nad Al Sheba

Fotografieren ist am Sammelplatz eigentlich nicht erlaubt. Machen wir damit die Tiere nervös, oder die Trainer der zu jungen Jockeys?

Dr. Wernery beantwortet geduldig jede unserer Fragen. Nochmals vielen Dank an ihn und seine Frau für diesen spannenden Besuch der Kamelrennbahn!

Die Tiere und ihre Jockeys warten nur scheinbar gelassen auf ihr Rennen. Das hohe Geräusch, das man ab und an hören kann, stammt vom Reiben der Zähne.

Immer wieder interessant zu beobachten, wie Kamele sich hinknien bzw. aufstehen. Brust und Knie sind durch Fettpolster und Fell extra verstärkt um z.B. vor Bodenhitze zu schützen. Statt Sättel gibt es hier übrigens nur Decken.

Zwei Jockeys in den Farben ihres Rennstalles.

Die Startphase kann oftmals das Spannenste am ganzen Kamelrennen sein.

Den weiteren Rennverlauf verfolgt man am besten an den Bildschirmen.

Die Rennteilnehmer werden vom Kamerateam und den Besitzern der Rennställe im Jeep nebenan begleitet.

Der Sieger kommt im gestreckten Galopp auf die Zielgerade. Danach muss er von Helfern eingefangen werden. Kamele sind nicht so leicht zu lenken oder zu stoppen wie Pferde!

Dr. Wernery mit Kollegen, die uns den speziell entwickelten Urinprobebeutel zeigen.

Vorher und nachher…

Bei den jeweils drei Erstplatzierten wird eine Urinprobe vorgenommen.

Für weibliche und männliche Tiere gibt es unterschiedliche Urinprobebeutel.

Manches Kamel sieht recht erschöpft aus nach dem Rennen.

Die Rennkamele werden zu mehreren in einer Gruppe von einem Leitbullen zurück zum Stall gebracht.

Der Toyota Pick Up ist der beliebteste Wagen bei den Kamelbesitzern.

Gleich neben der Rennbahn liegt der Markt. Hier kann der stolze Rennstallbesitzer alles nötige erwerben.

Verschiedene Modelle des Maulkorbes. Eigentlich soll er die Tiere davon abhalten, den eigenen Kot zu fressen …

… aber wie man sieht, gibt es noch andere Möglichkeiten der Verwendung!

Einer der vielen Läden von innen. Als Andenken locken u.a. die Kameldecken.

Offensichtlich wird noch vieles in Handarbeit hergestellt.

Mit einem rechten Mausklick auf die nebenstehenden Bilder (view Image), können diese in Bildschirmgrösse betrachtet werden!

Wer ein Kamelrennen sehen möchte, muss früh aufstehen. Denn nur donnerstags und freitags starten morgens früh die Rennen der Scheichs (die Rennen der Beduinen finden am frühen Nachmittags statt). Und so treffen wir uns also schon um 7:00 Uhr morgens mit Herrn Dr. Ulrich Wenery am Sammelplatz.

Zu diesem Platz werden die Rennkamele von einem Leittier gebracht. Bei diesem Leittier handelt es sich i.d.R. um einen kastrierten Bullen, der selber früher einmal Rennen gelaufen ist. Und so kennt er die Atmosphäre und lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Denn nervös sind die Tiere schon. Manche haben bereits vor dem Start Schaum vor dem Maul oder auch Durchfall.

Die Tiere, die hier auf den Start warten, haben alle eine rote Nummer auf das Fell am Hals gemalt bekommen. Diese Nummer wir von einer Kommission vergeben, die anhand der Zähne das Alter der Tiere bestimmt und sie somit für die Rennen kategorisiert (Stammbücher oder ähnliches gibt es nicht). Nach sehr fairen Vorschriften treten nur gleich alte Tiere gegeneinander an. Und je nach Alter der Tiere wird die Rennstrecke immer länger. Getrennt werden die Rennteilnehmer auch nach Geschlecht. Die Kamelstuten sind etwas schneller als die männlichen Tiere und auch ansonsten könnte es leicht zu unerwünschten Problemen kommen. Denn in der Hauptsaison für Kamelrennen, im Winter, ist auch die Brunftzeit der Kamele. Eigentlich müsste man die Konkurrenten auch noch nach Farbe des Felles getrennt laufen lassen. Denn die weißen Kamele, also die, die aus dem Sudan stammen, sollen schneller sein als die Braunen, die lokalen Kamele.

Andere Vorschriften werden leider nicht immer so genau befolgt. Die Jockeys sollten z.B. ein Mindestgewicht von 30 kg haben. Aber ob die kleinen Jungen, die hier am Sammelplatz fröstelnd bei den großen Tieren Wärme suchen, auch alle so schwer sind, wage ich doch zu bezweifeln. Aber sollte man auch bedenken, dass die Jockeys oftmals die Alleinverdiener in ihren Familien sind. Und mit einem monatlichen Einkommen von rund DM 1.000,– können sie ihre Familien in ihren Heimatländern sehr gut unterhalten. Nebenbei erhalten sie vor Ort Verpflegung und Unterkunft, eine Ausbildung in einer Koranschule und manchmal sogar eine Beteiligung an der Gewinnsumme! (Wetten ist übrigens im Islam verboten.) Die Jungen üben ihren Job oftmals nur zwei oder drei Jahre aus. Dann gehen sie zurück in ihr Heimatland oder bleiben als Zureiter oder Trainer im Rennstall. Die Reiter tragen alle einen Helm und einen kleinen Empfänger auf der Brust. So kann der Besitzer des Tieres, der im Jeep neben der Rennstrecke herfährt, dem Jockey ständig Anweisungen geben.

Das Gedrängel um eine gute Startposition verfolgen wir mit bloßem Auge von der Tribüne aus. Den weiteren Rennverlauf kann man besser auf dem Bildschirm verfolgen. Denn neben den Besitzern und Trainern fährt auch noch ein Kamerateam und ein Moderator im Tross der Begleitfahrzeuge mit. Vom Kommentar verstehe ich leider nicht viel, es ist alles arabisch. Und so kann ich nur ab und an den Namen eines bekannten Scheichs, der anscheinend heute morgen in jedem Rennen ein Tier mitlaufen hat, heraushören.

Während wir so auf der Terasse sitzen und einige Rennen verfolgen, werden den Besuchern Tee und Kaffee angeboten. Dies ist hier so üblich und Eintritt muss man als neugieriger Rennbesucher auch nicht zahlen.

Das gerade Stück Rennbahn vor unserer Tribüne ist bei den heutigen Rundkursen gleichzeitig Start wie auch Ziel. Das jetzige Rennen wird von 6 und 7 Monate alten Tieren bestritten, die eine Strecke von 3 km zu bewältigen haben. Sie laufen bis zu 30 Stundenkilometer schnell und so dauert es nur wenige Minuten, bis das Feld (bis zu 30 Reitern) nun doch sehr auseinander gezogen um die letzte Kurve auf die Zielgerade einbiegt. Erwachsene Tiere (ab 5 bis 6 Jahren sind Kamele geschlechtsreif) laufen auf der großen Rennbahn bis zu max. 10 km. Lediglich der Sieger erhält Applaus. Dabei erhalten bei den großen Rennen, wo bis zu 1 Million USD gewonnen werden kann, die ersten zehn platzierten Kamele eine Siegprämie. So ein richtig erfolgreiches Rennkamel kann bis zu DM 20 Millionen kosten.

Im Anschluss an das Rennen geht es zur Dopingkontrolle. Die ersten drei Tiere müssen eine Urinprobe abgeben. Sie werden in einen abgeschirmten ruhigen Bereich geführt und dort bekommen sie einen eigens entwickelten Beutel umgebunden. Sollten die Tiere nicht innerhalb der nächsten Stunde urinieren, wird ihnen Blut abgenommen. Die Hälfte des Urins wird für alle Fälle eingefroren und die andere Hälfte im Central Veterinary Research Labaratory von Mitarbeitern von Herrn Dr. Wernery untersucht. Früher konnten schon mal stimulierende Substanzen, wie z.B. Teein oder Koffein, gefunden werden. Seitdem die Tiere nun aber für ein Jahr zu allen weiteren Rennen gesperrt werden und der Besitzer namentlich in der Zeitung erwähnt wird, passiert dies so gut wie nicht mehr.

Zum Abschluss sollte man nicht versäumen, sich noch auf dem Souk nebenan umzuschauen.

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